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Zwischen Skepsis und Solidarität – die Wahrnehmung des Tourismus in Südtirol

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Repräsentative Umfrage von Eurac Research mit rund 1.000 Südtiroler Haushalten im Dezember zur Wahrnehmung des Tourismus in Zeiten der Pandemie liefert wichtige Daten für die Weichenstellung in der kommenden Saison


Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass sich die Bevölkerung in Südtirol mit dem Tourismus im Land noch stärker auseinandersetzt als in den Jahren zuvor. Eine Befragung von 1.007 Personen im Zuge einer repräsentativen Haushaltsbefragung von Eurac Research macht deutlich, dass die Menschen den Tourismus einerseits als Risiko sehen – 80 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass der Tourismus die Infektionszahlen im Land deutlich beeinflusst hat – andererseits, dass dem Tourismus eine besonders wichtige Rolle für die heimische Wirtschaft zugedacht und der Branche in dieser schwierigen Zeit auch Solidarität entgegengebracht wird. Die Daten, die im Dezember 2020 erhoben wurden, liefern wertvolle Hinweise, um die Weichen für die zukünftige Entwicklung des Tourismus im Land zu stellen.

Ziel der Umfrage von Eurac Research war es, zu verstehen, inwiefern sich die Covid-19-Pandemie auf die Wahrnehmung des Tourismus innerhalb der Südtiroler Bevölkerung auswirkt. Die Befragung von rund 1.000 Personen im Zuge einer repräsentativen Haushaltsbefragung zeigt ein deutliches Stimmungsbild: 41 Prozent der Befragten vermuten, dass der Tourismus leicht, 39 Prozent gar, dass er stark zum Anstieg der Covid-19-Infektionszahlen in Südtirol beigetragen hat. „Trotzdem sind 77 Prozent der Interviewten der Meinung, dass die Tourismusbranche mehr Vorteile als Nachteile für den Standort Südtirol bringt“, erklärt Andreas Dibiasi, Volkswirt am Center for Advanced Studies von Eurac Research.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung sowohl innerhalb der Altersgruppen als auch nach Bildungsgrad variiert. So sind etwa von den befragten Personen über 65 Jahre im Vergleich am wenigsten von den Vorteilen des Tourismus überzeugt; Befragte mit einem höheren Bildungsgrad sind stärker vom Nutzen des Tourismus überzeugt. Keine signifikanten Unterschiede in der Wahrnehmung des Tourismus zeigen sich hingegen, wenn man die Angaben im Hinblick auf die gewählte Sprache betrachtet.

Auch das Urlaubsverhalten im Sommer 2020 wurde abgefragt und zeigt, dass die befragten Personen den Schwierigkeiten des Sektors durchaus solidarisch begegnen. 29 Prozent der Teilnehmenden an der Umfrage gaben an, ihren Urlaub innerhalb der Provinzgrenzen verbracht zu haben, 37 Prozent davon, sich für einen Aufenthalt in Südtirol entschieden zu haben, um die heimische Tourismuswirtschaft zu unterstützen.

Die kontaktierten Personen wurden auch zu konkreten Auswirkungen des Tourismus auf das Leben in Südtirol interviewt. Der Großteil der Befragten gab an, dass der Tourismus zur hohen Qualität in der Südtiroler Gastronomie und auch in anderen Sektoren zu größerer Wertschöpfung beitrage, und dass es dank des Tourismus ein größeres Angebot an Freizeitmöglichkeiten gebe.

Gleichzeitig geben 93 Prozent der Befragten an, dass der Tourismus eine erhöhte Verkehrsbelastung verursache. Nur 11 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Tourismus das Orts- und Landschaftsbild nicht durch bauliche Maßnahmen beeinträchtigt. In Hinblick auf die zukünftige Entwicklung Südtirols beurteilen 96 Prozent der Teilnehmenden die Rolle des Tourismus als wichtig.

„Die Pandemie hat die Rolle des Tourismus in der öffentlichen Diskussion noch stärker in den Vordergrund gerückt. Die Menschen setzen sich mit dem Tourismus im Land auseinander und wollen Zahlen und Daten dazu – auch in Verbindung mit der Pandemie. Es ist wichtig, dieses repräsentative Stimmungsbild aus der Bevölkerung ernst zu nehmen und in der zukünftigen Tourismusentwicklung zu berücksichtigen“, unterstreicht Harald Pechlaner, Leiter des Centers for Advances Studies von Eurac Research.

Die Befragung zur Wahrnehmung des Tourismus ist die letzte von drei, während der Pandemie durchgeführten Befragungen, die das Center for Advanced Studies von Eurac Research zum Tourismus in Südtirol in der Pandemie durchgeführt hat. Zuvor wurden bereits etwa 600 Südtiroler Hoteliers und Gastwirte sowie fast 900 Gäste befragt, die in der Endphase der Sommersaison in Südtirol im Urlaub waren.

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